Wie kommen die Leute eigentlich immer auf diese Namen? “Flickr”, “Flattr”, … habe ich ein Memo verpasst und mehr als ein Vokal pro Name sind “uncool”? Eigentlich verwunderlich, dass es nicht auch “Twittr” heißt. Aber ich schweife – noch ehe ich angefangen habe – ab!
Seit März dieses Jahres ist Flattr in einer Beta-Phase online. Dabei handelt es sich um ein (weiteres) soziales Netzwerk, auf dem man beispielsweise Blogartikel, aber auch andere Onlinebeiträge, Musik, Bilder und Videos “pushen” kann. Doch anders als bei Diensten wie “Digg” steckt hinter jedem positiven Voting bares Geld! Wer bereit ist monatlich mindestens 2 Euro auszugeben kann sich – momentan noch einen gültigen Beta-Key vorausgesetzt – anmelden und ab sofort Beiträge mit einem entsprechenden Button flattrn… flattern… flattren… was auch immer. Am Ende des Monats wird die Anzahl meiner Klicks addiert und die Summe, die ich bereit war auszugeben, gleichmäßig auf alle geklickten Inhalte verteilt. Klingt komisch, also hier ein kurzes Beispiel:
Pro Monat zur Verfügung gestellter Betrag: 2,00 EUR
In diesem Monat angeklickte Flattr-Buttons: 17
Jeder meiner Klicks war also rund 11 Cent wert, denn 10% behält der Anbieter.
Dabei kann man einen Button pro Monat nur einmal anklicken. Der jeweilige Empfänger kann übrigens nicht sehen, wer ihn angeklickt hat – doch anonym ist man dennoch nicht, da Flattr selbst natürlich alle Transaktionen (und Klicks) detailiert protokolliert.
Möchte man nun Inhalte wie beispielsweise Blogpostings oder Online-Artikel für Flattr-Klicks verfügbar machen, muss man selbst ebenfalls einen aktiven Account haben. Das wiederum setzt voraus, dass man mindestens 2 EUR im Monat bezahlt. Dann jedoch kann man theoretisch beliebig viele “Klicks” von anderen erhalten. Bleibt also nur noch die Frage, ob sich der Dienst für die eigene Seite überhaupt lohnt.
Wenn man mal ganz objektiv nachrechnet lohnt sich Flattr eigentlich erst und nur dann, wenn man über den Dienst mehr als die eigenen monatlichen Kosten wieder rein bekommt. Doch das muss (und soll!) meiner Meinung nach nicht die Hauptmotivation sein. Ich sehe Flattr vielmehr als eine art freiwillige Spende oder – wer ungerne als digitale Version des “Bettlers in der Fußgängerzone” betrachtet werden möchte – ein schnelles und unkompliziertes “Danke”.
In Amerika ist es u.a. in vielen Blogs schon lange üblich einen Paypal-Button zu haben mit der Aufforderung “Du bist dran mit Kaffee holen!” oder ähnlichem. Wenn uns jemand behilflich war bedanken wir uns normalerweise und jemanden auf einen Kaffee einzuladen ist einfach, unverbindlich und macht keine großen Umstände. Und genau diese Mentalität wird hier versucht auch auf die digitale Welt zu übertragen: Wenn ich dir geholfen habe und dir vielleicht sogar Zeit und Ärger erspart habe freut mich das! Und wenn du dich revanchieren möchtest gib mir einfach “einen Kaffee” aus bzw. das monetäre Äquivalent hierzu, also vielleicht 1$. Nur zu gerne vergisst man, dass den Leuten, die anderen freiwillig und oft uneigennützig im Internet mit Artikeln helfen, durchaus reale Kosten entstehen: Die Zeit die man zum Schreiben benötigt, das Webhosting mit Traffic, die eigene Domain… und dennoch machen es viele, einfach weil es ihnen Spaß macht.
Der “Kaffee” über Paypal ist eine Möglichkeit, aber es ist auch aufwändig: Einloggen (dafür den Passwort-Manager starten), einen plausiblen Betrag überlegen, Zahlungsmethode auswählen, Bestätigen, … selbst wenn die eigentlichen Gebühren nur wenige Cent betragen, der damit verbundene Zeitaufwand ist mir dann doch oft zu hoch. Deshalb mag ich Flattr: Gefällt mir ein Inhalt und ich möchte dem Autor “Danke” sagen, klicke ich auf den Flattr-Button und … fertig! Selbst die Kosten kann ich bequem über einen Schieberegler für einen Monat festlegen, und wenn ich einmal besonders viele Sachen toll fand ist es auch kein Problem kurzfristig mal den monatlichen Betrag zu erhöhen damit alle auch ein wenig mehr bekommen.
Klar, ich habe Flattr auch bei mir im Blog eingebunden. Und ich freue mich natürlich auch, dass mir im ersten Monat 0,91 EUR gutgeschrieben wurden. Ganz unabhängig von dem Geld, dass ich selbst ausgab: Es gab Leute denen das was ich geschrieben habe eine (symbolische) Kleinigkeit wert war!
Klar, große Inhaltsanbieter werden viel größere Summen monatlich erzielen, wie beispielsweise die TAZ, und im Gegenzug vermutlich nur wenig an die Community zurückgeben. Meine Hoffnung ist, dass es dennoch auch für andere Betreiber sowohl ein Ansporn ist qualitativ hochwertige Inhalte zu produzieren, als auch die Arbeit derer zu belohnen die sich hierfür die nötige Zeit nehmen, auch ohne etwas dafür zu fordern.
Einfach mal “Danke” sagen! :-)
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