anheledir.NET | Das Pronominal-Stöckchen: Duzen oder Siezen?

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(c) flickr.com (HeckMeck)Als Blogger hat man es wirklich nicht leicht. Die ganze Welt kann einem ständig auf die Finger schauen, selbst nach Jahren sind alle Inhalte für jeden mit wenigen Mausklicks abrufbar und die Zielgruppe ist unverhersagbar. Und ein eigentlich ganz einfach scheinendes Problem wurde mir in den letzten Wochen immer stärker bewusst: Sollte ich die Leser meines Blogs eher mit “Du” oder doch lieber mit “Sie” ansprechen?

Ein Blogstöckchen (kurz: Stöckchen) ist eine Aktion mit dem Ziel Blogs und Blogger besser miteinander zu vernetzen, und dabei ein bestimmtes Thema gemeinsam zu bearbeiten. Die in den Artikeln der Teilnehmern behandelten Fragen sind vom Initiatior vorgegeben und werden von den weiteren Teilnehmern kopiert. Hierbei kann es im Laufe der Zeit zu Veränderungen kommen, das Grundgerüst bleibt jedoch das selbe.

Wer die Fragen eines Stöckchens beantwortet, nennt am Ende seines Artikels weitere Blogger, die als nächstes an der Aktion Teilnehmen sollen. Dieser Aufruf wird meist als “Weiterwerfen” bezeichnet. Fehlt ein Entsprechender Aufruf bei einem der Teilnehmer, dann “lässt er das Stöckchen liegen”. Nicht eingeladene Blogger können aber auch das Stöckchen “aufnehmen” und auch ohne ausdrückliche Einladung an der Aktion teilnehmen. (Quelle: Stefan Waidele)

Gelten im Internet eigene Regeln?

Das Duzen ist im Internet eigentlich nicht ungewöhnlich. Vor allem innerhalb der Entwickler-Communities ist es durchaus üblich, dass sich auch einander unbekannte Personen mit dem “du” ansprechen. Und solange E-Mails nur ein Kommunkationsmedium der “Nerds” war, galt es sogar als unhöflich oder beleidigend jemanden zu “Siezen”, sich also sprachlich von ihm zu distanzieren.

Dennoch würde ich beim Erstkontakt eine E-Mail an Personen mit einem gewissen Status nicht mit einem saloppen“Hi Bill” oder “Hallo Angela” beginnen. Trotz Internet heißt es für mein Verständnis hier immernoch “Dear Mr. Gates” oder “Sehr geehrte Frau Merkel”. Oft lässt sich die bestimmte pronominale Anrede sogar ganz vermeiden, wie beispielsweise in diesem Text hier. Eine zum Glück nur selten zu bestaunende Variante ist die Verwendung beider Pronomen (“Ich freue mich Sie / euch als Leser zu haben!”), die einen Text nicht nur unnötig lang macht sondern zudem auch noch schwer lesbar.

Das “Sie” als Ausdruck von Respekt, Seriosität und Kompetenz

Bevor man sich entscheidet, ob man die Leser eines Blogs “duzen” oder “siezen” möchte, sollte man natürlich erst einmal die unterschiedliche Wirkung verstehen. Ein “Sie” ist formal gesehen höflicher und kann Respekt ausdrücken. Auch deshalb ist es im geschäftlichen Umfeld üblich und wirkt seriöser. Allerdings distanziert man sich so auch sprachlich. Ein bekanntes schwedisches Möbelhaus beispielsweise möchte die Nähe und Verbundenheit zu seinen Kunden zum Ausdruck bringen, in dem man hier generell immer die Kunden mit “du” anspricht – etwas, das mich immer wieder aufs neue irritiert wenn ich denn mal dort bin. Ich bin es einfach nicht gewohnt, aber macht es das damit automatisch schlechter?

Gerade im geschäftlichen Umfeld bin ich durch das “Sie” viel eher bereit meinem Gegenüber Kompetenz zuzusprechen und Vertrauen entgegen zu bringen. Wenn ein Anwalt mich während der Beratung ganz umgangssprachlich duzt hätte ich insgeheim wohl das Gefühl, dass er mein Anliegen nicht ernst genug nimmt oder – was schlimmer wäre – so auch mit der anderen Partei spricht und von denen nicht ernst genommen wird!

Der Wechsel vom “Sie” zum “Du”

Tatsächlich funktioniert die Argumentation für Respekt auch umgekehrt beim duzen: “Ich akzeptiere dich als gleichgestellt und distanziere mich sprachlich nicht.” Innerhalb einer Konversation muss man sich also irgendwie verständigen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte fängt mit einem “Hallo Herr Nowak”. Man drückt so aus, dass man die Kompetenz des anderen anerkennt, und wartet die Reaktion des Anderen. Doch was, wenn ich man selber so angeschrieben wird? Wie entscheidet man, ob man es beim Siezen belässt oder ob man nicht auf das umgänglichere “Du” wechselt?

Die erste Frage die ich mir hier stelle ist: Möchte ich überhaupt einen eher lockeren Umgang mit dieser Person pflegen oder doch lieber einen eher geschäftlich-distanzierten. Einen potentiellen neuen Arbeitgeber sollte man vielleicht nicht direkt im ersten Gespräch mit “Du” anreden, genau so wie den Ordnungshüter der nach Führerschein und Fahrzeugschein fragt. Die Schwierigkeit besteht also darin zu “erspüren”, ob das Duzen nun angebracht ist oder nicht. Ein allgemeingültiges Rezept kann ich natürlich nicht anbieten, aber ich orientiere mich auch ein wenig an der Anrede: Werde ich mit einem “Hallo” oder ähnlichem angeschrieben, bin ich deutlich eher geneigt meinem Gesprächspartner das “Du” anzubieten als bei einem “Sehr geehrter Herr Breuer”.

Was aber nun im Blog?

Das eigene Weblog ist wie bereits eingangs erwähnt in sofern problematisch, als dass man keine klar abgegrenzte Zielgruppe hat und mit den meisten Lesern auch nicht direkt in Kontakt kommt. Die eigentliche Kommunikation verläuft also nur in eine Richtung. Dabei möchte man sich in der Regel natürlich durchaus professionell und seriös geben (“Siezen”?), andererseits ist die “Nahbarkeit” wichtig, man freut sich auf einen lockeren Erfahrungs- und Meinungsaustausch (“Duzen”?).

Allen Lesern werde ich es sowieso nie recht machen können, aber ein grober Überblick über die vorherrschende Grundstimmung wäre mir dennoch wichtig. Meine persönliche Präferenz wäre es, meine Leser generell hier im Blog zu duzen – deshalb im Folgenden auch eine Umfrage zu dem Thema!


Außerdem auch die Frage an die Blogger-Kollegen, wie es in den jeweils eigenen Blogs gehandhabt wird – werden die Leser generell gesiezt? Oder geduzt? Oder ein bunter Mischmasch aus beidem?

Post Scriptum

Einen längeren Text komplett ohne direkte Anrede zu formulieren ist schwerer als man meinen mag … ich hoffe, ich habe kein “unerwünscht” gesetztes Pronomen übersehen, ansonsten mag der geneigte Leser mich gerne darauf aufmerksam machen! Zwinkerndes Smiley

Ich glaube, so viel hat noch nie jemand über das Duzen und Siezen in Blogbeiträgen nachgedacht, geschweige denn geschrieben…


21. February 2013 @ 04:22 #
I liked your article, I will share your article to everyone!!

5. April 2013 @ 05:17 #
Wow, dieser Artikel ist in sehr gutem geschrieben, ich mag es!

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