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Windows 7 – Der Selbstversuch

27 Jan 2009 . Unknown . Comments

Die Entscheidung

Windows7TaskbarExtLogo Der Vista-Nachfolger von Microsoft ist derzeit in aller Munde. Nicht nur bei Entwicklern sondern auch bei 08/15-Anwendern fand das derzeitige Beta-Release auf die Festplatten der heimischen PCs. Von schneller, stabiler und schlanker ist die Rede. Wie dem auch sei, ich bin mit Vista durchaus zufrieden und kann mich weder über Abstürze noch Inkompatibilitäten oder Geschwindigkeits-probleme beklagen. Aber gegen das subjektive Empfinden des Mobs ist ja sowieso kein Kraut gewachsen.

So zufrieden ich aber auch mit Vista bin, neugierig bin ich natürlich ebenso. Und als Entwickler hat man ja fast schon keine Wahl als sich mit den Technologien der Zukunft zu beschäftigen um möglichst frühzeitig reagieren zu können. Sind meine selbst entwickelten Anwendungen noch kompatibel mit dem zukünftigen Betriebssystem der Redmonder? Was gibt es an neuen Funktionen und Möglichkeiten von denen ich – und meine Anwender – eventuell profitieren kann? Berichte und Blogartikel findet man zahlreich wenn man sich informieren möchte, aber um einen Selbstversuch kommt man am Ende dann doch nicht drumherum.

Eine Fehlgeburt

Windows-EKG Von den vielen positiven Berichten ermutigt bin ich dann auch gleich aufs ganze gegangen: Mein Rechner zu Hause, bisher unter Vista am laufen, sollte auf Windows 7 umgestellt werden. Für den Fall eines Totalausfalls habe ich vorher ein Komplett-Backup meiner Hauptpartition angelegt, Benutzerdaten & co. liegen sowieso auf einer zweiten Datenpartition. Doch der erste Installationsversuch scheitert kläglich. Ich habe das Setup unter Vista gestartet um ein Upgrade durchzuführen. Im Zweifel spart mir das die Neuinstallation und –konfiguration sämtlicher Programme. Der Kompatibilitäts-Scan dauert beinahe eine halbe Stunde und findet schließlich ein mögliches Problem: Mein Canon Pixma 3000 soll angeblich nicht unterstützt werden. Nicht besonders erfreulich, aber vorläufig verschmerzbar. Das Kopieren der Dateien dauert weitere 20 Minuten bis das Setup schließlich einen Neustart durchführen möchte.

Beim Hochfahren bewunder ich zum ersten mal das neue, pulsierende Startlogo. Windows 7 lebt! Doch plötzlich: Kammerflimmern – Null-Linie. Das Pulsieren friert ein, die Festplattenaktivität hört auf und übrig bleibt nur der leblose, noch während der Geburt verstorbene, Patient Nummer 7. Einziges Trostpflaster: Bei einem Neustart hat das Setup offenbar die soeben verunglückte Geburt bemerkt und macht brav ein vollständiges Rollback. Nach einem weiteren POST-Piep des Bios startet wieder das gute alte Vista und von Windows 7 ist auf den Festplatten nichts mehr zu finden. [more]

Fehlersuche

Tools Ich bin ein großer Microsoft-Fan und als solcher irgendwo auch ein wenig naiv. Vielleicht war das missglückte Upgrade einfach nur ein großer Zufall und ein Resultat besonders aggressiver Sonnenwinde – außerdem wollen unerwartete (?) Laborergebnisse auch immer verifiziert und auf Reproduzierbarkeit getestet werden. Ich verschwendete also weitere Stunden damit das Setup erneut aufzurufen, erneut ein Upgrade zu starten und erneut die erstaunliche Effizienz der Rollback-Routine zu bewundern. Schließlich startete ich leicht frustriert einige Recherchen im Internet – unter Vista versteht sich. Immerhin hatte ich den zweiten Versuch genutzt und nach dem ersten Neustart das Bootmenü aufgerufen. Die Boot-Protokollierung zeigte mir auch, dass Windows 7 immer dann einfror nachdem ein Treiber namens “drive.sys” geladen wurde. Zumindest war das nach mehreren protokollierten Neustarts in den diversen Startmodi immer die zuletzt angezeigte Zeile. Fündig wurde ich in den Microsoft TechNet-Foren. Hier gab es zahlreiche Artikel von Benutzern, die ähnliche Erfahrungen beim Upgrade-Versuch gemacht hatten. Von der “drive.sys” war zwar nirgends die Rede, aber vielleicht hat sich auch nur niemand die Mühe gemacht das Protokoll einzusehen. Wie auch immer, eine Lösung schien niemand zu wissen. Sollte mein Selbstversuch also schon enden ehe er richtig begonnen hatte?

Kaiserschnitt eines Betriebssystems

Windows 7 - Betta Fish Ich entschloß mich dazu Windows 7 noch eine Chance zu geben. Statt einer Upgrade-Installation über das bestehende Vista entschied ich mich aber nun für eine vollständige Neuinstallation. Das Setup benötigte nun deutlich weniger Zeit ehe es zum ersten mal neustarten wollte. Das Windows 7 Startlogo began zu pulsieren – und blieb es dieses mal auch. Relativ schnell wurden die Dateien vom USB-Stick kopiert und die üblichen Fragen zu Region, Sprache, etc. wollten beantwortet werden. Nach den ersten kläglichen Fehlversuchen lief das Setup jetzt doch noch recht zügig durch und schon bald schwamm der kleine Betta über meinen Bildschirm mit seinen sieben Luftbläschen – süß…

Vodafone Das, was ich eigentlich vermeiden wollte, ist nun allerdings unausweichlich – zahlreiche Tools und Programmpakete wollen neu installiert werden. Eine gute Gelegenheit die Kompatibilität zu testen. Das wichtigste zuerst: Die Windows Live Essentials Suite. Das Paket ist erst kürzlich aus der Beta entlassen worden, eigentlich sollten also keine Probleme auftreten. Außerdem laufen der Live-Messenger und auch Live-Mail bei mir immer im Hintergrund. Sollten also schon hier Probleme auftreten würde ich dem Bet(t)a-Fisch schnell wieder das Wasser ablassen. Vor der Installation steht jedoch noch die Einrichtung meiner Internet-Verbindung. Seit nun rund einem halben Jahr bin ich von DSL weg und vollständig auf UMTS umgestiegen – dank Datenflatrate von Vodafone. Doch 7 erkennt die Windows Mobile 6 Internetfreigabe über USB sofort und auch die Installation der Live-Programme funktioniert problemlos.

Ein Fisch mit Sprachproblemen

Damit das ganze aber nicht zu langweilig wird hat Microsoft noch ein paar weitere Überraschungen in sein Beta-Betriebssystem eingebaut. Ich war dennoch ein wenig überrascht als mir das Office 2007 Setup verkündete, dass es mit der Sprachversion von Windows nicht kompatibel sei. Meine englische Office-Version ist nicht mit meiner englischen Windows 7 Version kompatibel?! Der amerikanische Humor kennt wirklich keine Grenzen. Natürlich habe ich die Länder- und Tastatureinstellungen in der Systemsteuerung auf “deutsch” gesetzt aber ich hatte eindeutig ein englisches Betriebssystem – wie mir diverse Dialoge unmissverständlich zeigten. Was also brachte das Office-Setup dazu anzunehmen, ich hätte kein englisches Windows? Ich machte die Probe aufs Exempel und tatsächlich: Die deutsche Testversion aus dem Internet lies sich ohne Probleme installieren – und mit meinem offiziellen Produktkey war der Teststatus auch abgeschaltet noch ehe er aktiviert war. Doch hauptsache Office war endlich installiert und somit auch Excel und Word, wenn auch in der ungewohnten deutschen Sprachversion.

Expression Als ich die Installation von Microsoft Expression Studio 2 startete erahnte ich nun weitere Sprachprobleme, denn auch diese Suite liegt bei mir nur in englischer Sprache vor. Doch statt einer Fehlermeldung des Expression-Setups bekam ich nach etwas Wartezeit eine Fehlermeldung des .NET Frameworks Sprachpaketes für Deutsch – das wegen einer inkompatiblen Sprachversion nicht installiert werden könne. Die Fehlermeldung war hingegen auf englisch. Klar, ich habe ja auch ein englisches Betriebssystem mit einem englischen .NET-Framework. Schade, dass sich hier die verschiedenen Installationsprogramme nur nicht so einig zu sein scheinen. Allerdings gelingt die Installation am Ende doch noch in dem ich die Setup-Programme der einzelnen Komponenten (Blend, Web, Encoder, …) manuell aufrufe.

Nach diesem Hürdenlauf über die Sprachbarrieren hatte ich keine großen Erwartungen mehr an das Installationsprogramm von Visual Studio. Doch hier erlebte ich eine echte Überraschung: Keine Fehlermeldungen, keine Probleme; nach rund einer Stunde war zuerst Visual Studio 2008 und anschließend auch das Servicepack 1 (auf englisch!) installiert.

Erstaunlich problemlos lief auch die Installation weiterer Tools ab: Angefangen bei diversen Plugins für Visual Studio (ReSharper, VisualSVN, …) über Helfer wie Notepad++ und diverse Desktop-Gadgets bis hin zu Spielen >10 Jahre alten Spielen wie Ultima Online gab es keine weiteren Probleme beim Einrichten und Verwenden. Um so erstaunlicher finde ich die erheblichen Schwierigkeiten aus dem eigenen Haus und bei Expression und vor allem Office handelt es sich sicherlich nicht um Nieschenprodukte.

Fazit

(c) Photocase.com Aller Anfang ist schwer und da bildet die aktuelle Beta-Version von Windows 7 keine Ausnahme. Vor allem das Scheitern einer Upgrade-Installation muss noch dringend behoben werden. Und auch wenn es wohl nicht der Regelfall ist, dass man trotz deutscher Spracheinstellungen eine englischsprache OS-Version verwendet, so sollten auch diese Probleme noch angegangen werden. Unter Windows XP und Vista ging es ja auch problemlos.

Nachdem nun auch alle wichtigen Programme wieder stabil laufen werde ich wohl erst einmal bei Windows 7 bleiben und die Beta ausführlich testen. Hin und wieder stürzt mal der Explorer oder der Internet Explorer ab und auch das neue Media Center reagiert vor allem beim Laden von unter Vista aufgenommenen Videos ein wenig träge. Aber auf meinem Privat-PC kann ich solche Kleinigkeiten noch verschmerzen zumal ich mich an einige Features doch recht schnell gewöhnt habe. Die neue Taskleiste ist am Anfang zwar gewöhnungsbedürftig, aber die vielen zusätzlichen Funktionen die sie bietet möchte man schon bald nicht mehr missen. Auch diverse Shortcuts gehen schnell in Fleisch und Blut über. Besonders erfreulich fand ich auch, dass Windows 7 meine beiden Monitore schon bei der Installation erkannt hatte und einen Dual-Monitor-Betrieb einrichtete. Mit Der Windows-Taste plus einer Pfeiltaste (alternativ noch zuzüglich der Shift-Taste) kann man dann Programmfenster schnell zwischen den Monitoren verschieben. Wo war dieser Shortcut in XP und Vista all die Jahre!? Auch die UAC scheint zurückhaltender geworden zu sein und das Prinzip der Suchordner, die mit Vista schon eingeführt wurden, wirkt jetzt deutlich ausgereifter. Mit der Stabilität hatte ich unter Vista auch keine Probleme und ob Windows 7 auch nach einigen Wochen / Monaten der Benutzung noch so performant ist wie jetzt bleibt auch noch abzuwarten. Der Overhead an Ram-Verbrauch allerdings ist deutlich gesunken

Windows Baby Insgesamt hinterlässt Windows 7 bisher einen guten Eindruck. Microsoft hat einige gute Detailverbesserungen an der Oberfläche vorgenommen, Funktionen des Vorgängers konsequent weiterentwickelt und endlich einige Defizite beseitigt die eigentlich schon in Vista überfällig waren. Wünschenswert wäre noch eine Option beim Installieren, die Datenverzeichnisse standartmäßig auf eine zweite Partition zu legen oder auch einfach nur den Speicherort vom Benutzer auswählen zu lassen. Es ist heute einfach nicht mehr zeitgemäß System- und Datenpartition zu mischen und auch wenn es nun einfacher ist seine Wunsch-Speicherorte in die Bibliotheken / Suchordner zu übernehmen, so wäre hier eine Umstellung direkt nach der Installation wünschenswert. Bleibt nun also die alltägliche Arbeit in nächster Zeit abzuwarten und welche Schwierigkeiten sich hier noch ergeben werden.

Questions/Suggestions
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