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150 Tage mit Windows Phone 7

20 Mar 2011 . Unknown . Comments

Heute sind es auf den Tag genau 150 Tage seit dem offiziellen Europa-Launch von Windows Phone 7 am 21. Oktober 2010; und damit auch 150 Tage, die ich mit dem System gearbeitet habe. Zeit also für einen kleinen Erfahrungsbericht!

Die Hardware

HTC-7-Trophy-Scheduled-for-Release-in-January-2011-at-Verizon-2Mein Provider ist Vodafone, ich hatte also die Wahl zwischen dem HTC Trophy und dem LG Optimus 7 (E900). Am Erscheinungstag war es eine kleine Herausforderung überhaupt ein Gerät zu erhalten, doch eine Vodafone-Filiale in Mainz hatte schließlich genau ein Exemplar von jedem da. Meine Wahl fiel auf das HTC Trophy. Es hat zwar im Gegensatz zum LG E900 nur 8GB internen Speicher, aber ich war bis dahin mit meinem HTC Touch Diamond mehr als zufrieden und hatte HTC deshalb als guten Hersteller in Erinnerung. Auch die Sensortasten gefielen mir spontan gesehen ganz gut. Auch der Klang ist für ein Handy selbst ohne Kopfhörer ganz gut. Jedoch fingen schon nach ein paar Tagen die Sensortasten und der Kameraauslöser an mich zu nerven: Immer wieder betätigte ich diese ausversehen, das war ausgesprochen nervig. Auch machten sich bald einige Probleme bemerkbar: So hing die Oberfläche hin und wieder, flackerte ganz plötzlich seltsam oder das Handy startete einfach neu. Und obwohl ich eine Stoffhülle verwendet habe, hatte das Handy schon nach kurzer Zeit einige unschöne Kratzer auf dem Display. Keine besonders tiefen, aber doch sichtbar und dementsprechend ärgerlich.

LG-E900-Optimus-7-2Nach dem die Probleme leider nicht besser wurden und ich auch im Internet von anderen Benutzern hörte die Probleme mit dem Trophy haben, entschloss ich mich es jetzt mal mit dem LG E900 zu probieren. Ich ersteigerte das LG neuwertig bei eBay und verkaufte dafür das HTC Trophy. Das Optimus 7 macht auf Anhieb einen wertigeren Eindruck. Schon alleine der Batteriedeckel, der nicht wie beim HTC aus Plastik sondern aus Metall besteht, sieht einfach hochwertiger aus. Das Display ist deutlich krastfester (“Gorilla Display”), selbst nach mehreren Monaten ist hierauf noch keine einzige Beschädigung zu erkennen! Hin und wieder hängt sich der Marketplace auch hier auf, das scheint jedoch noch ein Problem vom Betriebssystem zu sein. Alle anderen Anwendungen laufen flüssig und ohne Probleme. Auch das seltsame Flackern vom HTC habe ich beim LG noch nie beobachten können. Der Klang ohne Kopfhörer ist mittelmäßig aber noch ok. Mit Kopfhörern vermisse ich ein wenig die Equalizer-App vom HTC, aber auch so ist das Handy als MP3-Player zu gebrauchen. Lediglich die mitgelieferten Kopfhörer sollte man schnellstens austauschen, diese sind von der Verarbeitung und auch von der Klangqualität relativ schlecht!

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Nur eine Kleinigkeit aber dennoch positiv ist die Abdeckung des USB-Ports beim LG mit einer fest am Gehäuse angebrachten Gummikappe. Beim HTC Trophy war der Port immer offen und deshalb anfälliger für Staub und Dreck. Die Hardwaretasten sind ein klarer Vorteil gegenüber der Sensorversion des HTC; sie sehen vielleicht nicht so schick aus und gerade die Windows-Taste fühlt sich unnötig billig an, aber man drückt sie nicht so schnell aus Versehen. Ähnlich verhält es sich bei der Kamerataste: Habe ich diese beim HTC immer wieder aus versehen gedrückt und so die Kameraanwendung gestartet, ist mir das beim LG E900 noch nie passiert. Die Position ist zwar sehr ähnlich, aber offenbar ist die Taste nicht ganz so empfindlich.

Die Akkulaufzeit ist meistens die Achillesverse eines Smartphones, da bilden sowohl das HTC Trophy als auch das Optimus 7 keine Ausnahme. Bei normaler Telefonnutzung (1-2 Std.), E-Mail Abruf alle 30 Minuten, aktivierter GPS-Ortung, WLan und hin und wieder mal ein Spielchen hält das LG jedoch locker den Tag über durch, so dass ich abends im Fitness-Studio auch noch für 2 Stunden Musik hören kann ohne das die Akkuwarnung kommt. Das HTC war hier nicht ganz so ausdauernd, insgesamt aber noch akzeptabel.

Was allen Modellen derzeit noch offiziell fehlt ist ein über SD-Karten erweiterbarer Speicher. Einige Modelle wie die von HTC haben aber zumindest einen versteckten SD-Kartenslot, den man mit Hilfe zahlloser Anleitungen im Internet finden und ggf. mit größeren Karten nutzen kann. Andere Modelle, wie auch das E900 von LG, haben nicht einmal diese interne SD-Karte sondern nutzen fest verlöteten Flashspeicher. Der Speicherplatz ist so zwar nicht erweiterbar, jedoch arbeitet der bereits verbaute Speicher spürbar schneller.

Das Betriebssystem – Design & Oberfläche

4435929723_32c13b7422_b[1]_2Kommen wir also zum eigentlich wichtigen Punkt: Dem Windows Phone 7 OS! Vorweg: Ich habe zwar schon mal ein iPhone und auch ein Android-Handy in der Hand gehabt, aber selber hatte ich zuvor als Smartphone nur Windows Mobile 6.1 / 6.5.

Das Metro-Design und die Home-Tiles sind ein schwieriges Konzept: Entweder man liebt es oder man hasst es. Ich persönlich habe mich schnell an den neuen Home-Screen gewöhnt und finde es klasse auf einen kurzen Blick alle wichtigen Infos zu sehen. Auch habe ich nicht jede x-beliebige Anwendung “angepinnt” sondern nur die wirklich oft verwendeten, die mir ggf. auch einen Mehrwert dadurch geben (bsp. Tile-Updates durch Push-Services). Bei iPhone und Android kann man vielleicht mehr Anwendungen auf verschiedene Startseiten ziehen, doch ich finde das einfach zu überfüllt. Das WinPhone ist hier erfrischend anders und wirkt einfach aufgeräumter.

Ansonsten finde ich das Metro-Design – salopp gesagt – einfach geil! Ich war noch nie ein Freund vom “Bonbon-Design” oder dem Glossy-Stil. So hat es auch “Luna” unter XP nie geschafft den ersten Neustart nach der Installation zu überleben. Ein Design muss schlicht und elegant sein, dabei dennoch gut aussehen. Das sind sicher subjektive Kriterien, aber was Microsoft mit Metro vorgestellt hat trifft hier einfach zu 100% meinen Geschmack. Dagegen sehen die Standartoberflächen vom iPhone und Android einfach nur noch überfrachtet und verspielt aus. Ich will auf dem Handy keine Desktop-Nachbildung und keine Seiten mit dutzenden von winzigen Icons bei denen mir nur die Beschriftung hilft zu erahnen wozu sie gut sind. Klare Strukturen und einleuchtende Symbolik sind hier meiner Meinung nach klar überlegen. Das mögen andere natürlich gerne anders sehen und bewerten.

Die “natürliche” Steuerung wie beispielsweise das Wischen mit dem Finger sind nun keine Neuerung mehr, dafür unterstützen das die Konkurrenten schon zu lange. Doch einige Aspekte, wie die Panorama-Controls (manchmal auch als “Hubs” bezeichnet), sind konsequent weitergedachte Visualisierungen, wie es sie in dieser Form so noch nicht gab. Die unaufdringlichen, kleinen Animationen, bsp. der Tilt-Effekt beim Drücken eines interaktiven Elementes, lassen die Oberfläche natürlich anfühlen. Man “macht” etwas und erhält sofort ein Feedback. Ob das die Konkurenz ebenso macht weiss ich nicht, aber es ist schön zu sehen das Microsoft hier nicht völlig den Anschluss verpasst hat.

Ab einer gewissen Anzahl von installierten Anwendungen leidet derzeit die Übersicht in der Liste auf der zweiten Seite des Home-Screens. Hier gäbe es mehrere Verbesserungsansätze. Weitere Seiten ähnlich einem Pivot-Control, Gruppen die man anlegen kann im Stil von Unterordnern oder eine Jump-List wie bsp im Kontakte-Hub, bei der man anhand des Anfangsbuchstabens durch die Liste navigiert. Mir würde die dritte Möglichkeit wohl am besten gefallen, würden Unterordner/Gruppen und weitere Pivot-Seiten nur die Übersichtlichkeit verringern in dem man die Gesamtliste unnötig fragmentiert.

Das Betriebssystem – Technik & Funktionalität

Windows-Phone-UI-Design-and-Interaction-Guides-02Das Windows Phone 7 ist ein gut durchdachtes und solides System.

Die meisten Funktionen sind schnell gefunden, und auch die “Hubs” als Sammelstelle gefallen. Auch reagierten meine Telefone flüssig. Besonders überrascht war ich von der schnellen GPS-Funktion. Dank A-GPS ist eine ungefähre Ortung per Triangulation und WLAN schnell verfügbar, doch auch die Satelliten-Ortung funktioniert einwandfrei. Selbst unter schlechten Verhältnissen bekomme ich gute Ergebnisse, oft innerhalb von 10 Sekunden.

Der People-Hub ist ein guter Anfang, hat jedoch noch deutliches Ausbaupotential. So fehlen außer Facebook noch andere Social-Media-Networks wie Twitter (angekündigt für ein Update Mitte bis Ende 2011, evtl. mit “Mango”) oder zusätzliche Verknüpfungen, beispielsweise mit den SMS und Anrufen. Die Zune-Integration im Musik-Hub ist gut gelungen, jedoch vermutlich aus rechtlichen Gründen nicht international komplett verfügbar. So würde ich gerne auch einen Zune-Pass erwerben, doch hier in Deutschland ist der – ohne Tricks – nicht verfügbar. Das ist sicherlich nicht (alleine) die Schuld von Microsoft, doch hier muss mit mehr Nachdruck dran gearbeitet werden. Das Gleiche gilt für Bing, dem hier in Europa viele Funktionen des US-Originals noch fehlen.

Einige Funktionen sind nur über unnötige Umwege zu erreichen, beispielsweise das Ein-/Ausschalten von WLAN, Bluetooth oder der Datenverbindungen. Es gibt hier zwar Abhilfe von Seiten der Homebrew-Szene, doch wäre es wünschenswert wenn solche Funktionen es in das Core-System schaffen würden. Oder zumindestens wenn sie die Marketplace-Zertifizierung unbehelligt überstehen könnten.

Andere Dinge die etwas stören sind die halbherzige Skydrive-Implementierung. So kann Onenote sich bereits über Microsofts kostenlosen Cloud-Dienst mit dem Web und dem Desktop synchronisieren, Zugriff auf andere Office-Dokumente erhält man jedoch nur mit einem Sharepoint-Server oder wenn man sie sich per E-Mail zuschickt. Auch hier hat Microsoft bereits Abhilfe angekündigt, doch leider wieder ohne konkreten Zeitplan (auf die Update-Politik gehe ich im nächsten Absatz noch näher ein). Eine eher behelfsmäßige Lösung ist die Verwendung anderer Dienste wie Dropbox, für die es eigene Apps für die Synchronisation auch mit dem Handy gibt, oder – wer bei Skydrive bleiben möchte, wie ich – ein Bookmark im Internet Explorer zur Skydrive-Website. In der Mobil-Version ist diese ganz brauchbar zu bedienen und die Office-Dokumente können zumindest direkt geöffnet werden ohne den Umweg über E-Mail.

Tatsache ist, dass es alternative Smartphone-Plattformen derzeit gibt, die mehr können oder Dinge besser umgesetzt haben. Doch Windows Phone 7 hat definitiv auch einige Stärken und durchaus auch das Potential diese stärker auszubauen. Die Hardware, die als Mindestvoraussetzung gilt, hat ebenfalls genügend Potential so das wir hier noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Man merkt an verschiedenen Stellen, dass für Microsoft die Zeit knapp wurde um das Telefon noch vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft rausbringen zu können. Jetzt gilt es die Grundlagen zu festigen und gewohnte Funktionen schnellstmöglich mit zu integrieren. Hier wird mittelfristig die Update-Politik von Microsoft entscheidend sein.

Das Betriebssystem – Die Updatepolitik

wp7_updateMicrosoft hat es sicher nicht leicht, der Smartphone-Markt ist zum größten Teil zwischen iPhone und Android aufgeteilt und beide haben ihre Fangemeinde und inzwischen mehrere Jahre Erfahrung mit ihrem System gemacht. Man könnte zwar meinen, dass auch Microsoft kein Newcomer ist, doch hat es mit Windows Phone 7 eine harte Zäsur gegeben, bei der alles alte über Bord geworfen wurde. Wie auch schon an anderer Stelle immer wieder gesagt wurde: Windows Phone 7 ist eine 1.0er Version, die mit den üblichen Kinderkrankheiten zu kämpfen hat. Wer innerhalb der ersten Wochen / Monate ein solches Gerät kauft darf meiner Meinung nach kein so ausgereiftes Produkt erwarten wie es andere nach vielen Jahren der Weiterentwicklung haben. Selbst wenn einzelne Funktionen heute nichts neues mehr sind, so konnten Apple und Google diese nachträglich auf ein bestehendes System aufbauen. Dieses stabile Fundament muss Microsoft erst einmal schaffen – und das ist unter Laborbedingungen einfach nicht möglich. Ein “Early-Adopter” muss bereit sein Kompromisse einzugehen, zumindest ist das meine Meinung.

Ich finde es deshalb in Ordnung, dass das Handy auch ohne alle möglichen Extrafunktionen veröffentlicht wurde; mit dem Versprechen, entsprechend Updates mit der Zeit heraus zu bringen. Ein wenig unglücklich ist für viele die Intransparenz von Microsofts Update-Strategie. Es gab – und gibt – keinen klaren Zeitplan, wann welches Update / Feature geplant ist. Ende des Jahres soll “Mango” rauskommen, im ersten Quartal “NoDo”. Ob es weitere Updates zwischendurch geben wird, was diese bringen werden oder gar konkrete Zeitangaben sucht man vergeblich. Einerseits verständlich, arbeitet Microsoft vermutlich unter Hochdruck an WP7 und kann noch nicht alle Zwischenschritte konkret absehen. Und bevor man etwas ankündigt und dann immer wieder verschieben muss hält man sich lieber ein wenig bedeckter. Doch dieses “Schweigen” wird von der Community nicht unbedingt positiv ausgenommen. Man “sieht” keinen Prozess und fühlt sich alleine gelassen. Hier muss Microsoft dringend nachbessern und sollte seine Arbeit transparenter machen. Das Smartphone ist wie eine Aktie: Ich kaufe nur wenn eine Verbesserung / Wertsteigerung in absehbarer Zukunft liegt! Und das bedeutet nicht, dass etwas “irgendwann Ende 2011” erscheinen wird, sondern das man kleinere Updates auch zwischendurch immer mal wieder veröffentlicht.

Ich habe früher einen Ultima Online Freeshard mitbetrieben, ein MMORPG-Spiel für das eigene Gegenstände, Fantasyrassen etc. programmiert wurden. Als Entwickler haben wir natürlich vor allem immer auf die “großen Neuerungen” gesetzt. Neue und einzigartige Rassen- und Klassensysteme mit zig Funktionen, Effekten, … doch sowohl Planung als auch Entwicklung und Testen dauern seine Zeit und als es dann am Ende für die Spieler endlich verfügbar war, gab es nur wenig Resonanz. Kleinigkeiten jedoch, die vielleicht ein dutzend Zeilen Quellcode bedeuteten und nicht mehr als eine Spielerei waren (eine Münze die beim Doppelklick beispielsweise zufällig “Kopf” oder “Zahl” sagte) waren heiß begehrt und sorgten viel positiv Resonanz. Schon damals haben wir schnell erkannt: Die großen “Komplett-Pakete” müssen zwar auch hin und wieder sein, doch viele Kleinigkeiten in kurzen Abständen wirken viel lebendiger und sorgen für Kurzweil und das immer wieder aufkommende “Ich hab was neues!”-Gefühl.

Schlußendlich muss man aber noch ein Missverständnis beleuchten: Der Erscheinungstermin für “NoDo”, was die angeblich so ungemein dringend benötigte Copy-and-Paste Funktionalität bringen wird (ich selbst habe in den vergangenen 150 Tagen höchstens 2-3x gedacht “schade, dass es die jetzt nicht gibt…”!) wurde offiziell nur für das erste Quartal 2011 angekündigt. Blogs, Zeitschriften und zahllose andere Gerüchtequellen machten daraus dann das “Januar-Update” und das “Februar-Update”, nannten immer wieder neue Termine an denen es erscheinen “müsse”. Zuletzt hatte Steve Ballmer dann mitte Februar die ersten beiden März-Wochen als Erscheinungstermin genannt. Durch die Probleme mit einigen Samsung-Geräten beim vorbereitenden Update auf die OS-Buildnummer 7008 wurde NoDo jetzt zum ersten mal offiziell verschoben auf “Ende März”, wieder ohne konkretes Datum. Inzwischen gibt es mal wieder Gerüchte, die den 21.03. ins Auge fassen – ob das stimmen wird, sehen wir dann morgen. Sobald aber die ersten 1-2 Updates problemlos verteilt werden konnten ist meine Vermutung, dass Microsoft dann auch in kleineren Abständen welche nachliefern wird. Gerade in den ersten Monaten gab es vermutlich einige Fehlerberichte und auch der Update-Mechanismus muss erst in der Praxis auf Herz und Nieren geprüft werden. Sind diese ersten Hürden aber genommen könnte es durchaus zu kürzeren Updatezyklen kommen; so zumindestens meine Hoffnungen.

Durchaus positiv ist, dass Microsoft dieses mal das Update-Ruder in der eigenen Hand behält. Die Mobilfunkbetreiber haben zwar vorab die Möglichkeit die Updates zu prüfen – und können auch genau ein Update ihren Kunden vorläufig vorenthalten – aber schlußendlich kommen die Updates von Microsoft. Das ist also die gleiche Politik, die auch Apple schon verfolgt, allerdings gibt es hier auch nur eine Hardwareplattform. Bei Android ist man immer auf den guten Willen des Handyherstellers und des Providers angewiesen um ein Update zu erhalten. Hier kombinieren die Redmonder das beste aus beiden Welten: Heterogene Hardwarelandschaft mit einer homogenen Upgradestruktur. Wenn die Updates nun also noch regelmäßig erscheinen und von gleichbleibend guter Qualität sind, nimmt Microsoft hier eine vielversprechende Vorbildrolle ein.

Das Betriebssystem – Apps & App-Entwicklung

marketplacehub-us-web_tVergangene Woche hat hat die Anzahl der Anwendungen im Marketplace die 10.000er Grenze überschritten, gestern dann die 11.000er! Das ist in vielerlei Hinsicht beeindruckend: Es war nicht nur das größte Wachstum gegenüber dem App-Store von Android und iTunes, sondern es sind auch erstaunlich viele “brauchbare” Programme dabei. Keine Frage: Es gibt Dutzende Furz-Apps, Trinkgeld-Rechner und ähnliches, und vor allem in letzter Zeit gab es vermehrt so genannten eBook-Spam, der schon den App-Store von Blackberry überflutet hat. Auch das starke Wachstum erscheint in einem etwas anderem Licht wenn man bedenkt, dass der Markt bei Windows Phone 7 schlicht noch nicht so gesättigt ist wie bei den Anderen. Gerade aber das Einschränken, welche Apps Microsoft erlaubt und welche nicht, muss man mit etwas Vorsicht betrachten: Es wäre zwar in vielerlei Hinsicht wünschenswert die ganzen “unnötigen” Apps zu löschen oder gar nicht erst zuzulassen, doch wo soll man hier eine objektive Grenze ziehen? Apple ist hier mit seinen Richtlinien öfters in die Kritik geraten wegen einer zu restriktiven Zertifizierungs-Politik. Jedoch wirken sich die App-Spammer negativ auf die Zahlen der Anwender anderer neuer Apps aus: Vor allem um einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen ist es wichtig, in der Liste neuer Apps im Marketplace gefunden zu werden. Dutzende “eBooks” von einem Anbieter, für jeden Buchstaben des Alphabets bsp. ein eigenes, schieben die Apps jedoch aus dieser “Neu”-Liste heraus. Eine wirklich praktikable Lösung für dieses Problem ist mir aber auch noch nicht eingefallen.

Wie Apple auch verlangt Microsoft eine jährliche Gebühr um Anwendungen im eigenen App-Store anzubieten, der darüber hinaus auch die einzige offizielle Möglichkeit ist, Programme auf das Handy zu spielen. Die eigentlichen Entwicklertools sind aber auch hier kostenlos. In der jährlichen Gebühr sind eine beliebige Anzahl an kostenpflichtigen Apps enthalten, die man selber in den Marketplace einstellen kann, und 100 kostenfreie Apps. Ab der 101. kostenlosen Anwendungen kostet das erstmalige Einstellen rund 20 USD. Ist eine Anwendung jedoch einmal im Marketplace angenommen worden, sind alle weiteren Updates immer kostenlos möglich. Zudem können kostenlose Anwendungen in kostenpflichtige umgewandelt werden und für letztere gibt es die Möglichkeit relativ einfach einen Test-Modus zu implementieren. Hier ist auch ganz klar die Empfehlung an alle Entwickler kostenpflichtiger Anwendungen, diese Möglichkeit zu nutzen, da viele zunächst sehen wollen was sie für ihr Geld bekommen würden.

Als Entwickler schaue ich mir natürlich auch an, wie die Entwicklung für Windows Phone 7 unterstützt wird. Neben der gewohnt ausführlichen MSDN gibt es zahlreiche Communities die sich dem Thema widmen. Auch die kostenlosen Entwicklertools in Form von Visual Studio und Expression Blend (jeweils in einer reduzierten Phone-Edition) gefallen, muss man sich hier doch kaum umstellen und bekommt für Lau professionelle Tools an die Hand für die es zahlreiche Hilfestellungen im Web und in Form von Büchern gibt. Das SDK erfährt alle paar Monate ein Update und bringt zusätzlich auch einen Emulator mit – mit dem man im übrigen schon jetzt Copy’n’Paste ausprobieren kann. Allerdings hat Microsoft noch nicht alle Möglichkeiten auch in Form einer API für die Entwickler freigegeben. So ist es derzeit nicht ohne weiteres möglich auf den integrierten Kompass zuzugreifen oder die eigene Anwendung multitasking fähig zu machen, wie es beispielsweise der integrierte Zune-Musikplayer vormachen. Viele Bereiche des Betriebssystems sind noch sehr stark abgeschotten, wie beispielsweise die Kontaktinformationen. Microsoft hat uns jedoch “bald” ein größeres Update für das SDK angekündigt, in dem viele neue Funktionen enthalten sein sollen.

Bestehende Apps gibt es zahlreiche und für viele Bereiche. Doch gerade von großen Anbietern vermisst man noch immer Versionen ihrer Anwendungen für das Windows Phone. Es fehlt meistens einfach an Know-How um die Implementation selber vorzunehmen oder man nimmt das WP7 (noch) nicht als ernst zu nehmende Alternativplattform wahr. Hier habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass es sich als Entwickler lohnen kann, solche Firmen konkret anzuschreiben und die eigenen Dienste anzubieten. Oftmals reagieren diese positiv und offen auf das Angebot – zumindest habe ich diese Erfahrung bereits bei 3 von 4 Firmen machen können. Ob man jetzt unbedingt Angry Birds auf dem Windows Phone 7 haben muss oder nicht sei dahin gestellt (zumal es eine nette Alternative gibt, Chicks’n’Vixens). Doch ohne ein paar kräftige Zugpferde im App-Store klappt es halt auch nicht. Ein Kernelement sind hierbei sicher die Spiele, und da insbesondere die Möglichkeiten von Windows Phone 7 mit der Implementation der XBOX-Plattform. Jedoch ist es als “einfacher Entwickler” nicht so ohne weiteres möglich, ein Spiel mit XBOX-Live-Funktionen auszustatten. Microsoft will hier vermutlich einfach einen durchgehend hohen Standart beibehalten und setzt entsprechend die Messlatte hoch. Dafür weiss man aber auch, welchen qualitativen Standart man bei den XBL-Spielen erwarten kann – zumal sie alle über einen Testmodus verfügen (müssen).

Fazit

windows_phone_logo_vertical_colDas Windows Phone 7 ist eine solide, neue Plattform mit großem Potential. Wer jedoch jetzt schon ein vollkommen ausgereiftes Smartphone sucht sollte vielleicht noch bis zum Ende des Jahres warten. Viele wichtige Verbesserungen werden erst mit dem so genannten “Mango”-Update Einzug halten, dass voraussichtlich Oktober / November 2011 erscheinen wird. Doch auch jetzt ist WP7 beileibe schon kein Flickenteppich mehr und wer die Möglichkeit hat sollte einfach mal versuchen eine Weile damit zu arbeiten.

Multitasking” und “Copy and Paste” sind oft genannte Schlagwörter, die augenblicklich fehlen würden und das System den Forentrollen nach völlig unbrauchbar machen würden. Tatsächlich aber sind sowohl beide Funktionen angekündigt als auch nicht zwingend notwendig in den meisten Fällen. Konkret gab es nur wenige Momente, in denen ich dachte “Jetzt wäre eine Zwischenablage praktisch!”: Als ich eine Telefonnummer im Web suchte und diese hinterher einem Kollegen per SMS schicken musste, und als ich die Paketverfolgungsnummer von DHL aus einer E-Mail in die Post-App eintragen wollte. Doch das Fehlen dieser Funktion in diesen beiden Situationen im vergangenen halben Jahr war jetzt definitiv kein K.O.-Kriterium für mich. Und auch das fehlende Multitasking fällt in der Praxis bei sauber programmierten Anwendungen kaum auf (siehe auch dieses Demo-Video). Man muss das Tombstoning-Modell als Entwickler nur richtig verstehen und unterstützen und ein kostenloser Push-Service für verschiedene Dienste steht ebenfalls zur Verfügung. Ich muss keine 5 Anwendungen wirklich parallel gestartet haben. Wenn diese innerhalb von 1-2 Sekunden starten und beim Tombstoning auch wirklich an der Stelle fortsetzen an der ich sie verlassen habe – wozu dann unnötig Ressourcen verschwenden? Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass den meisten Anwendern es nicht ein mal auffallen würde, dass sie kein echtes Multitasking haben, wenn man es ihnen nicht vorab durch die Presse so madig geredet hätte. Lediglich bei Anwendungen wie Webradio braucht man wirklich eine im Hintergrund weiter laufende Anwendung.

Sowohl als User als auch Entwickler bin ich nach 150 Tagen Windows Phone 7 immer noch von der Plattform begeistert und würde sie vielen Bekannten auch weiterempfehlen. Es gibt noch einige Szenarios in denen andere Anbieter besser sind und einige wenige Fälle in denen Windows Phone 7 gar nicht mithalten kann. Doch allgemein halte ich es für eine zukunftsweisende Plattform, die sowohl Geschäftsanwender als auch Privatanwender in der Regel zufrieden stellen kann. Microsoft hat hier ein solides Fundament geschaffen und muss dieses nun schnellstens mit 1-2 Updates festigen bevor es dann durch nachhaltige und an den Wünschen der User ausgerichtete Weiterentwicklung einen neuen Eckpfeiler im hart umkämpften Smartphone-Markt errichten kann. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, auch in Hinblick auf die groß angelegte Kooperation mit Nokia, dass man hier auf ein gutes Pferd setzt. Und als Entwickler hat man auch jetzt noch die Möglichkeit mit zu den ersten zu gehören, die wirklich zukunftsweisende Apps auf der noch jungen Plattform bereitstellen. Schlußendlich sind diese Apps auch maßgeblich am Erfolg oder Misserfolg von Windows Phone 7 beteidigt.

Wer also vorläufig mit dem einen oder anderen Kompromiss leben kann im Austausch für eine vereinfachte und weniger verspielte, elegante Oberfläche, der möge sich ein Windows Phone 7 unbedingt mal näher ansehen!

Questions/Suggestions
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