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Rezension - Video-Training “Windows Phone 7 mit Silverlight”

10 Jul 2011 . Unknown . Comments

windows_phone_7Im Januar veröffentlichte ich meine erste Rezension zu einem Video-Training aus dem Hause Video2Brain, WPF 4 und Silverlight 4 von Gregor Biswanger. Offenbar kam diese ganz gut bei meinen Bloglesern an, denn in den letzten Wochen wurde ich öfters mal gefragt ob ich nicht noch die eine oder andere Video-Serie ebenfalls testen könne, unter anderem auch “Windows Phone 7 mit Silverlight” von Sascha Wolter. Ich bin zwar weder MVP noch Experte für die Windows Phone 7 Entwicklung, denke aber das ich mich sowohl mit den Designkonzepten als auch der Technik hinter WP7 gut genug auskenne um eine qualifizierte Meinung zum Training abgeben zu können. Winking smile

Kleiner Hinweis: Als gelernter Mediengestalter achte ich nicht nur auf den fachlichen Teil, sondern auch auf die technische Umsetzung und multimediale Präsentation. Das hat jedoch in der Regel keinen Einfluss auf den fachlichen Aspekt des Inhalts.


windows_phone_7Nun zum eigentlichen Training: Das Training “Windows Phone 7 mit Silverlight” hat eine Laufzeit von etwa 6 Stunden und kostet 39,80 EUR. Hierfür erhält man zum einen eine DVD mit allen Videos im Flash-Format inklusive dem bekannten Video2Brain-Player sowie Zugriff auf den Onlinebereich, in dem zusätzlich die Beispielprojekte aus dem Training als Download zur Verfügung stehen.

Bei meiner letzten Video2Brain-Rezension habe ich bemängelt, dass das Training nur am PC mit dem eigentlichen Player möglich ist. Zwar kann man mit etwas Handarbeit die Videos in ein anderes Format umwandeln um sie beispielsweise auch auf dem Fernseher oder mobilen Endgerät (iPhone, WIndows Phone 7, …) zu betrachten, doch ist das ein nicht ganz unerheblicher Aufwand. Das Video-Training “Windows Phone 7 mit Silverlight” wird auf der Produktseite mit der Eigenschaft “iPad Kompatibel” beworben und bei einem Blick in den Downloadbereich findet man tatsächlich alle Trainings-Videos auch als MP4-Datei inklusive einer Abspielliste! Nun ist das MP4-Format nicht nur mit Apple-Produkten verwendbar, sondern ein Großteil der externen Abspielgeräte kann das Format wiedergeben. Hier also eine ganz klare Verbesserung und ein deutlicher Pluspunkt an Video2Brain!

Die Videos sind in 5 Kategorien mit jeweiligen Unterkapiteln aufgeteilt:

  1. Windows Phone verstehen
    • Was ist das Windows Phone 7?
    • Werkzeuge und Hilfe
    • Monetarisierung
    • Quickstart
    • Metro und Gestaltungsvorgaben
    • Steuerelemente
  2. Windows-Phone-Anwendungen entwerfen
    • Planen und Probieren
    • SketchFlow-Crash-Kurs
    • Dynamik dank Beispieldaten
    • Verhalten oder “Programmieren? Nein danke!”
    • Zustände sind einfach alles und umgekehrt
  3. Windows-Phone-Anwendungen gestalten
    • Formen und Farben
    • Ressourcen als Styleguide für Visual Studio und Expression Blend
    • Anordnen der Elemente
    • Anwendungsfluss und Navigation
    • Der Baukasten für Anwendungsoberflächen
    • Eigene Oberflächenelemente
      • Einleitung
      • Variante 1: Anpassung per Style
      • Variante 2: User Controls
      • Variante 3: Custom Controls
    • Bewegung kommt ins Spiel
  4. Windows-Phone-Anwendungen programmieren
    • Systemarchitektur kompakt
    • Ohne Ereignisse geht nichts
    • Datenbindung bindet die Oberfläche an Daten
    • Durch Daten getrieben
    • Spezielle Aufgaben für das Telefon: Launcher und Chooser
    • Vibrieren und Wackeln
    • Positionsangaben und Kartenmaterial
  5. Windows Phone in der (besten) Praxis
    • Teil 1: Softwarearchitektur kompakt
    • Teil 2: Mach’ mal Pause und andere Unterbrechungen
    • Teil 3: Daten im IsolatedStorage merken

Jede Kategorie hat wie gewohnt eine Zusammenfassung im Video2Brain-Player, die man auch als Handzettel ausdrucken kann. Leider sind diese weiterhin nur über den Player erreichbar und nicht bsp. als zusätzliche PDF-Dateien. Im übrigen treffen alle Eigenschaften des Video2Brain-Players, positive wie negative, die ich in der früheren Rezension herausgearbeitet habe weiterhin zu, weswegen ich auf diesen Bereich dieses mal nicht tiefer eingehen möchte.

Zum Inhalt

funk_3_1Die Lernkurve ist während dem gesamten sechstündigen Training nicht besonders hoch. Der Autor zeigt alle Beispiele in den deutschen Versionen der Entwicklungsumgebung, nennt jedoch auch immer wieder auch die englischsprachigen Bezeichnungen. Auch kleinere Schritte werden in den Videos nachvollzogen, so dass man nie das Gefühl eines Sprungs hat (“Wie hat er denn jetzt das gemacht?!”). Vor allem für den “Mach mit!-Modus” des Players ist diese langsame und präzise Herangehensweise sehr geeignet.

Wenn man sich die Themenübersicht einmal in Hinblick auf die Laufzeit durchsieht wird einem schnell klar, dass Sascha Wolter oft nur an der Oberfläche kratzen kann. Alleine um das Thema “Metro und Designvorgaben” oder “Softwarearchitektur kompakt”, welches auch MVVM & co. einschließt, erschöpfend zu behandeln bräuchte man vermutlich ein eigenes Training. So werden hier auch nur die wichtigsten Aspekte kurz umrissen und ansonsten auf Sekundärliteratur verwiesen.

Auch wenn nicht auf alle Feinheiten und Details eingegangen wird, erklärt Sascha alle verwendeten Steuerelemente von Silverlight ausführlich genug um damit erste Anwendungen erstellen zu können. Lediglich Grundkenntnisse in C# sollte man bereits haben. Alternativ wird von den Entwicklungswerkzeugen mittlerweile auch VB.Net unterstützt, hier muss man dann die Beispiele jedoch entsprechend umschreiben bzw. mit diversen Tools konvertieren.

In der Kürze liegt die Würze?

Was man nicht erwarten darf ist die Besprechung von den vielen Feinheiten, die einem das Leben als Silverlight-Entwickler manchmal schwer machen können. So wird im Rahmen der Datenbindung zwar am Rande kurz erwähnt, dass es etwas wie “Converter” gibt, aber das bleibt dann auch die einzige Erwähnung. Auch andere Besonderheiten werden zum Teil gar nicht näher erläutert: Im Video 5.2, in dem es um das so genannte Tombstoning geht, wird erläutert, dass man auf Seitenebene die beiden Ereignisse OnNavigatedTo und OnNavigatedFrom zur Verfügung hat, um auf das Unterbrechen der Anwendung zu reagieren. Das ist natürlich soweit richtig, jedoch werden diese Ereignisse auch dann geworfen wenn man zu einer anderen Seite innerhalb der Anwendung springt. Und bei letzterem ist unter Umständen nicht das gleiche Verhalten gewünscht wie bei einer Unterbrechung der Anwendungen bsp. durch einen Anruf.

translateEin Thema, das meiner Meinung nach sehr entscheidend für den Erfolg einer Anwendung sein kann, wurde leider gar nicht näher erläutert: Die Lokalisierung für verschiedene Sprachversionen. Zumindest eine kurze Erläuterung, wie man die Ressourcen-Dateien über eine Proxy-Klasse als Xaml-Ressource zur Verfügung stellt hätte man erwarten können.

Positiv fand ich hingegen den häufigen Wechsel zwischen Expression Blend und Visual Studio 2010. Sascha Wolter demonstriert viele Funktionen in beiden Entwicklungsumgebungen und zeigt auch unterschiedliche Herangehensweisen. Auch weist er situationsabhängig darauf hin, welches Tool sich für die aktuelle Aufgabe besser eignet und wo eventuell die Stolperfallen liegen. Da beide Programme im Rahmen des WP7-Developer-Toolkits in kostenlosen Expressversionen erhältlich sind stehen dem Entwickler somit die gleichen Möglichkeiten offen und er kann einzelne Szenarien genau wie im Video mit beiden Werkzeugen selber austesten um dann das für ihn passende zu wählen.

Präsentation und Aufmachung

Eingangs hatte ich ja bereits erwähnt, dass ich auch auf diesen Aspekt ein wenig eingehen möchte, einfach da mir einige Dinge aufgefallen sind. Positiv ist auf jeden Fall, dass Sascha Schritt-für-Schritt durch eine neue Aufgabenstellung hindurch führt ohne zu sehr ins Fachchinesisch abzudriften. Auch Ein- und Umsteiger werden nur selten – wenn überhaupt – den Faden verlieren. Die Verwendung der deutschsprachigen Entwicklertools hilft dabei ebenso, auch wenn viele “alte Hasen” es sicher ungewohnt finden da sie selber mit der internationalen Version arbeiten. Und so fällt auch hier immer wieder auf, dass sich Deutsch und Englisch etwas vermischen während der Erklärungen oder den Beispielen. Hier bin ich der Meinung: Entweder alles in Deutsch oder alles in Englisch.

multimedia-presentationEin wenig irritierend fand ich die Sprechweise, zumindest am Anfang. Ich hatte immer wieder das Gefühl eines unheinheitlichen Redeflusses mit vielen Unterbrechungen. Manchmal konnte ich mich des Gedankens nicht erwehren eine Parallele zu den Sprachanweisungen eines Navigationsgerätes zu ziehen, die aus vorgefertigten Textblöcken gebildet wurden. Als freier Redner bei einem Vortrag kommt Sascha hingegen viel natürlicher rüber. Da ich selber aber auch schon in einer Tonkabine für Sprachaufnahmen stand weiss ich, wie ungewohnt das sein kann während dem Reden auf die Atmung, Sprechgeschwindigkeit, Betonung etc. zu achten.

Preis / Leistung

Online-CashDas Video-Training ist gut für Einsteiger in die Windows Phone 7 Entwickler geeignet als auch für Umsteiger von Android und iPhone. Es werden alle wichtigen Grundkonzepte angesprochen, einige Besonderheiten herausgearbeitet und fast gar kein Silverlight-Wissen vorausgesetzt um erste Erfolge zu erhalten. Doch geht Sascha Wolter hier nur in die Breite um möglichst viele Themen abzudecken, jedoch fast gar nicht in die Tiefe. Wenn es dann über die ersten einfachen Anwendungen hinaus gehen soll könnte der ein oder andere schnell frustriert werden. Auch wird derjenige, der sich schon ein wenig mit der WP7-Entwicklung beschäftigt hat, nichts wesentlich neues mehr lernen können. Beworben wird ein Training mit “Grundlagen und Tipps” und genau das erhält man auch – nicht mehr, aber auch nicht weniger! Das Video-Training richtet sich also in erster Linie eindeutig an Einsteiger. Diesen Bereich deckt es sehr gut mit vielen Erklärungen und Beispielen ab, so dass man Saschas Gedankengängen ohne Mühe folgen kann.

Was mir hingegen überhaupt nicht gut gefällt ist der Preis: Beinahe 40 Euro für nur 6 Stunden Videomaterial sind eindeutig zu teuer, hier wäre meiner Meinung nach die Hälfte gerechtfertigt. Andererseits wäre ein eintägiges Seminar mit ähnlichen Inhalten natürlich wesentlich teurer.

Meine Wertung

gold-star-2Wer sich für die Entwicklung mit dem Windows Phone 7 interessiert aber bisher nicht die Lust aufbringen konnte dicke Bücher oder zahllose Blogbeiträge in englischer Sprache zu lesen, der sollte sich dieses Video2Brain-Training einmal näher ansehen. Allerdings sind sechs Stunden Videos für mich nicht genug um das Loch im Geldbeutel bereits zu vergessen. Hier müsste entweder das Loch kleiner sein oder die Videos länger Winking smile

Wer jedoch bereit ist 40 Euro für einen soliden, deutschsprachigen Einführungskurs in die Entwicklung mit Microsofts neuer mobiler Plattform auszugeben, sollte zugreifen.

Vielleicht noch als Hinweis: Das Training ist im April 2011 veröffentlicht worden und baut dementsprechend auf dem damaligen technischen Stand auf. Auf die unzähligen Neuerungen der aktuellen Mango-Betas wird natürlich nicht eingegangen. Wer jedoch erstmals mit der Entwicklung für WP7 in Kontakt kommt sollte lieber etwas mehr Zeit auf die Grundlagen verwenden bevor er sich an die zahlreichen Neuerungen wagt.

Questions/Suggestions
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