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Windows 10 Technical Preview - Don't call it Beta-Schnitzel!

02 Oct 2014 . Unknown . Comments

Windows 10Das lange Warten auf die Preview der neuen Windows-Version hatte am Dienstag endlich ein Ende, und auch das Rätselraten um den Namen dieser neuen Version: Windows 10 soll es also jetzt heißen, und erscheinen wird es Mitte / Ende 2015. Also vermutlich wieder im Herbst. Wie immer. Warum also jetzt schon eine so unfertige Version veröffentlichen? Wir reden hier nicht von einer Beta und meiner Meinung nach noch nicht mal von einer Alpha-Version. Das, was man derzeit im Rahmen des Insider-Programms herunterladen und installieren kann ist kaum mehr als ein Prototyp, ein Durchstich der einige ganz wenige ausgesuchte neue Funktionen demonstriert. Und schon hört man überall Stimmen, was denn alles schlechter geworden ist, was alles nicht funktioniert und wie unausgereift und unfertig das doch noch alles ist.

Dass das alles provokant ist, die Leute anstacheln und für viele “Klicks” sorgen soll, ist mir bewusst. Microsoft hat es nicht nur ein- oder zweimal ganz nebenbei erwähnt, dass man hier eine “Technical Preview” hat, die bisher nur ein halbes Dutzend ganz gezielt rausgesuchter neuer Features enthält die der User jetzt erst mal testen und bewerten soll - während man am nächsten Schwung von Funktionen arbeitet. Und das alle Journalisten und “Experten” da einfach immer zufällig nicht zuhörten oder entsprechendes auf den Websites überlesen haben, kann ich mir auch nicht vorstellen. Gerade deshalb finde ich diese Art von Berichten auch extrem unseriös. Hier wird ein Produkt schon zerfleddert und schlecht geredet, obwohl mal nur einen Bruchteil von dem gesehen hat was im Laufe des kommenden Jahres noch entstehen wird.

Agile Entwicklungs-Prozesse sind derzeit “in”, und werden auch oft von Kunden angefragt, da ja damit immer alles besser wird. Dabei wird oft vergessen, dass ein agiler Prozess wie SCRUM auch zum Rest des Unternehmens und der Organisationsstruktur passen muss in dem es eingesetzt wird. Und es ist auch nicht alles immer besser: Das die Entwicklung transparent ist, wird oft als Vorteil genannt. Man weiß ja immer wo man steht. Aber gerade in der Anfangsphase ist die Transparenz auch ein nicht zu unterschätzendes Risiko, vor allem wenn man mit agilen Prozessen noch wenig Erfahrung hat. Denn gerade in der Anfangsphase geht alles noch langsam vorwärts, Architekturen und andere Voraussetzungen müssen erst geschaffen werden ohne das man davon nach außen hin viel sieht.

Microsoft hat bei der agilen Produktentwicklung schon einige Erfahrung gemacht. Nach außen sichtbar wird das beispielsweise bei Visual Studio Online, welches auf den Funktionen von Team Foundation Server mit zusätzlichen Clouddiensten basiert. Hier wird regelmäßig der live Online-Service am Ende der internen Sprints aktualisiert und mit neuen Funktionen oder Bugfixes versorgt. So ist am 23. September beispielsweise der Sprint 71 online gegangen. Ein großer Vorteil bei der agilen Entwicklung ist dabei unbestreitbar: Das Ergebnis ist in der Regel deutlich näher an dem dran, was der Kunde tatsächlich möchte und braucht, da man oft einen Einblick auf den aktuellen Stand des Produktes erhält und hier sofort korrigieren kann wenn etwas doch nicht so geworden ist wie man dachte.

Und genau das versucht Microsoft jetzt anscheinend auch mit der kommenden Windows-Version. Meiner Meinung nach sollten wir uns als eine Art Product Owner in dem Entwicklungs-Prozess sehen: Das Team hat gewisse neue Features in seinem Backlog und arbeitet daran in Sprints. Am Ende eines Sprints präsentiert es uns diese - explizit genannten - dann im Rahmen eines Reviews. In der Praxis wird es wohl so aussehen, dass wir die Ergebnisse in Form von Updates aufgespielt bekommen. Unsere Aufgabe ist es jetzt, diese gerade fertig gestellten Features zu begutachten und unser Feedback zurück ans Team zu geben. Was gut geworden ist bekommt einen Haken, was uns nicht gefällt landet zur erneuten Bearbeitung wieder im Backlog. Wir sind also nicht mehr länger nur Tester im Rahmen eines Abnahme- oder Integrationstests (= BETA), sondern wir arbeiten von Anfang an eng mit den Entwicklern zusammen und steuern das Endergebnis somit maßgeblich.

Natürlich sind wir nicht wirklich die Product Owner und wir werden auch vermutlich nicht nach jedem Sprint das Ergebnis vorgesetzt bekommen. Aber mir gefällt die Analogie und das Bild, dass man sich damit vorstellen kann. Denn das macht es sehr deutlich, wie wir die aktuelle (und künftige) Version von Windows 10 einzuordnen haben und was für eine Rolle uns eigentlich zufällt wenn wir uns entschließen sie zu installieren und zu testen. Darüber herziehen und aufmerksamkeitssüchtig darüber mit fragwürdigen Artikeln berichten jedenfalls nicht.

Just my 2 cent :-)

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